Eigenkapital (Buchwert)

 

Bereits in den Menupunkten "Inventur/Inventar" und "GUV & Bilanz" wird der Begriff Eigenkapital
erwähnt. Das Eigenkapital eines Unternehmens wird auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen.
Der Begriff Eigenkapital und Buchwert meint ein und dasselbe.

Eigenkapital = Buchwert

In der Beispielbilanz (der fiktiven Firma "Möbelparadies Klaus Mayer e.K." für den 31. Dezember 2007)
des Menupunkts "GUV & Bilanz" wird der Wert des Eigenkapitals auf der Passivseite der Bilanz mit
dem Zahlenwert von 1.000.000 Euro ausgewiesen. Bei börsennotierten Unternehmen
(Aktiengesellschaften) ist es jedoch üblich, das Eigenkapital nicht nur als eine Summe darzustellen,
sondern auf die Zusammensetzung des Eigenkapitals detaillierter einzugehen.

Sehen wir uns dazu nachfolgende Tabelle (fiktive Teilbilanz) genauer an:

(Teil)-Passivseite einer fiktiven Bilanz mit Konzentration auf das Eigenkapital:

Passiva
   
AAAI. Eigenkapital
AAAAAA 1. Gezeichnetes Kapital
100.000
AAAAAA 2. Kapitalrücklage
100.000
AAAAAA 3. Gewinnrücklage
700.000
AAAAAA 4. Bilanzgewinn
90.000
AAAAAA 5. Anteile anderer Gesellschafter (Minderheitenanteile)
10.000
   
AAAAAAAA
1.000.000
   
AAAII. Fremdkapital
 
AAAAAA1. Hypothekenschulden
...
AAAAAA2. Darlehensschulden
...
AAAAAA3. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
...
   
 
...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie die Teilpassivseite (obige Tabelle) zeigt, setzt sich das Eigenkapital (hier fiktiv 1 Million Euro)
börsennotierter Aktiengesellschaften aus unterschiedlichen Summanden zusammen. Diese
werden nachfolgens erläutert:

 

1) Gezeichnetes Kapital:
Das gezeichnete Kapital bezeichnet das Grundkapital einer AG. Jede ausgegebene Aktie hat einen
Nennwert, den der Emittent bestimmen kann. In obiger Tabelle beträgt das gezeichnete Kapital
100.000 Euro. Nehmen wir an, der Nennwert einer Aktie läge bei 1 Euro und es gibt insgesamt
100.000 Aktien, dann ergibt sich die Summe des gezeichneten Kapitals durch Multiplikation
aller Aktien mit dem Nennwert.

2) Kapitalrücklage:
D
ie Kapitalrücklage ergibt sich aus der Summe der Differenz des Kurswerts der Aktien am Ausgabedatum
(Emmissionsdatum) und dem Nennwert der zu Grunde liegenden Aktien. In der oben angeführten
Tabelle ist die Kapitalrücklage mit einer Summe von 100.000 Euro ausgewiesen. Nehmen wir an,
dass die Bedingungen von Punkt 1) Bestand hätten, der Ausgabepreis aber bei 2 Euro pro Aktie
liegt, also 1 Euro mehr als der Nennwert. Die Differenz zwischen Aktienkurs (2 Euro) und Nennwert
(1 Euro) ist genau 1 Euro. 1 Euro multipliziert mit der Summe aller ausgegebenen Aktien (100.000 Stück)
ergibt insgesamt 100.000 Euro. Das gezeichnete Kapital und die Kapitalrücklage sind Größen in der
Eigenkapitalposition einer Bilanz, die sich nur durch Kapitalmassnahmen (zum Beispiel Kapitalerhöhungen)
verändern.

3) Gewinnrücklage(n):
D
ie Gewinnrücklage weist die kumulierten Jahreserträge der Aktiengesellschaft aus, die aus vergangenen
Geschäftsjahren erwirtschaftet wurden und nicht (zum Beispiel in Form einer Dividende) an die
Aktionäre ausgeschüttet wurden. Aus der Gewinnrücklage darf der Vorstand auch in weniger ertragreichen
Jahren (zum Beispiel in Jahren, in denen ein Jahresfehlbetrag entsteht) Ausschüttungen an die
Aktionäre vornehmen (zum Beispiel Dividendenausschüttungen). Die Summe der Gewinnrücklage in
oben stehender Bilanz beträgt 700.000 Euro. Diese Summe könnte sich zum Beispiel daraus ergeben,
dass die Aktiengesellschaft vor 10 Jahren Aktien ausgegeben hat bzw. neu gegründet wurde und seit dem
in jedem Jahr 70.000 Euro pro Jahr nach Abzug von eventuellen Dividenden den Gewinnrücklagen
zugeführt wurden. Denn 10 Mal 70.000 ergibt die Summe von 700.000 Euro. Natürlich ist dies nur ein sehr
einfaches Beispiel für die Entstehung einer Gewinnrücklage in einer Höhe von 700.000 Euro.

4) Bilanzgewinn:
D
ie Position Bilanzgewinn kann mehrere Einflussgrößen beinhalten. Ausgehend vom Jahresüberschuss
oder gegebenenfalls Jahresfehlbetrag können verschiedene Größen addiert oder subtrahiert werden. Die
Summe der Positionen stellt dann den Bilanzgewinn dar. Zu der Größe des Jahresüberschuss wird zum
Beispiel der Gewinnvortrag/Verlustvortrag aus dem vorhergehenden Geschäftsjahr addiert/subtrahiert.
Sollte es zu Entnahmen bei der Kapitalrücklage [Punkt 2)] und/oder der Gewinnrücklage [Punkt 3)] gekommen
sein, so werden diese dem Jahresüberschuss zugerechnet. Gewinnausschüttungen (zum Beispiel in Form
von Dividenden) werden vom Jahresüberschuss subtrahiert. Einstellungen in die Gewinnrücklagen
[Punkt 3)] werden vom Jahresüberschuss subtrahiert.

5) Anteile anderer Gesellschafter (Minderheitenanteile):
Diese Position im Eigenkapital tritt nur dann auf, wenn sich ein oder mehrere Tochterunternehmen nicht
vollständig im Besitz der AG befinden. Sind weitere Gesellschafter an einer Tochtergesellschaften
beteiligt, so entfällt der erwirtschaftete Gewinn (oder der angefallene Verlust) der Tochtergesellschaft
nicht zu 100 % auf die AG. Auch das Eigenkapital der Tochtergesellschaft entfällt nicht zu 100 % auf die AG.
Dieser Umstand führt zu den so genannten Anteilen anderer Gesellschafter (Minderheitenanteilen).
Alternativ zum Ausdruck Minderheitenanteile wird auch gerne der Ausdruck "Anteile im Fremdbesitz" oder
"Anteile anderer Gesellschafter" benutzt.


Buchwert = Unternehmenswert?

Schlägt der potentielle Anleger einige einschlägige Börsenzeitschriften auf oder hört/liest einige Statements
von Aktienanalysten, so findet sich gelegentlich der Hinweis auf den Buchwert des Unternehmens, der, wie
wir inzwischen wissen, gleichbedeutend ist mit dem Eigenkapital des Unternehmens. Mehr noch.
Geht es um Einschätzungen über die Preiswürdigkeit eines Unternehmens, so wird eventuell eine
Kaufeinschätzung abgegeben (Gewinne des Unternehmens vorausgesetzt), wenn die Aktiengesellschaft
aktuell an der Börse weniger kostet, als die Größe des ausgewiesenen Eigenkapitals (Buchwerts).
Die Begründung für eine Kaufentscheidung lautet sinngemäß sehr oft, dass der potentielle Anleger mehr
Unternehmenssubstanz (Eigenkapital) erhält aber weniger für diesen "Wert" zahlen muss, wenn ein Kauf
unter dem ausgewiesenen Buchwert möglich ist.
Aber ist dieser Gedankengang auch nachvollziehbar und "richtig"?

Gedankenexperiment (Steuern bleiben unberücksichtigt!!!):
Um die zuvor aufgeworfene Frage zu beleuchten, möchte ich zu einem Gedankenexperiment einladen.
Gehen wir in die Realwirtschaft und schauen uns einen fiktiven Unternehmer an, der 1 Million Euro an
Eigenkapital in eine junge Firma investiert. Die Firma wird mit dieser 1 Million Euro gegründet und hat keine
Bankschulden. In der Regel werden von einem Teil der 1 Million Euro Maschinen/Anlagen, Büroeinrichtungen,
Fuhrpark des Unternehmens, Telekommunikation etc. gekauft. Zunächst (Abschreibungen werden nicht
berücksichtigt) wird 1 Million Euro also teilweise in andere "Werte" getauscht. Am Gesamtwert des jungen
Unternehmens sollte sich durch diesen Schritt erst einmal nichts ändern.
Dann wird irgendwann (idealerweise zeitnah) der eigentliche Geschäftsbetrieb aufgenommen, also die
"Produkte" des Unternehmens werden hergestellt (zum Beispiel Produkte) oder bereit gestellt (zum Beispiel
Dienstleistungen). Entscheidend ist nun, ob, und wenn ja, wieviel Gewinn am Ende eines Geschäftsjahres
durch den "Produktionsprozess" erwirtschaftet werden kann. Stellen wir uns 4 Ergebnismöglichkeiten bei
der Gewinngröße Jahresüberschuss vor. Eingebettet in eine Zinslandschaft, in der ein potentieller Anleger
von 1 Million Euro pro Jahr 5 % an Zinsen (=50.000 Euro pro Jahr) durch einfache Geldanlage bei einer Bank
sicher erwirtschaften kann:

1) Gewinn liegt in jedem Geschäftsjahr nach Gründung bei 200.000 Euro (Gewinn > Kapitalanlage):
Verglichen mit der Kapitalanlage von 1 Million euro bei einer Bank, ist das Geschäft des Unternehmens
deutlich profitabler. Durch den Einsatz von 1 Million Euro in dem vorgestellten fiktiven Unternehmen lässt
sich ein Ergebnis erzielen, dass weit über dem Wert liegt, den der Besitzer der 1 Million Euro durch
"Nichtstun" erwirtschaften würde. Hier werden 1 Million Euro also so unternehmerisch eingesetzt, dass der
Gewinn vier Mal so groß ist wie bei einer Bank. Ist es da vernünftig, bei gleichbleibender Zinslandschaft und
auf Jahrzehnte konstanten Unternehmensgewinnen das fiktive Unternehmen mit nur 1 Million Euro zu
bewerten???
Vermutlich nicht!
Aber machen wir die Rechnung:

1 Million € in Unternehmen
1 Million € zu 5 % auf einer Bank angelegt
Gesamtsumme nach 1 Jahr
1,2 Millionen €
1,05 Millionen €
Gesamtsumme nach 2 Jahren
1,4 Millionen €
1,10 Millionen €
Gesamtsumme nach 3 Jahren
1,6 Millionen €
1,15 Millionen €
Gesamtsumme nach 4 Jahren
1,8 Millionen €
1,20 Millionen €
Gesamtsumme nach 5 Jahren
2,0 Millionen €
1,25 Millionen €
Gesamtsumme nach 6 Jahren
2,2 Millionen €
1,30 Millionen €
Gesamtsumme nach 7 Jahren
2,4 Millionen €
1,35 Millionen €
Gesamtsumme nach 8 Jahren
2,6 Millionen €
1,40 Millionen €
Gesamtsumme nach 9 Jahren
2,8 Millionen €
1,45 Millionen €
Gesamtsumme nach 10 Jahren
3,0 Millionen €
1,50 Millionen €

 

 

 

 

 

 

 

Die Tabelle zeigt, wie sich eine Investition von 1 Million € im Lauf von nur 10 Jahren entwickelt. Auf der einen
Seite in dem zuvor vorgestellten fiktiven Unternehmen. Auf der anderen Seite als Kapitalanlage zu 5 % auf
einer Bank. Nach 10 Jahren liefert die Investition in das fiktive Unternehmen eine Gesamtsumme von
3 Millionen Euro und die Kapitalanlage eine Summe von 1,5 Millionen Euro. Obwohl in beiden "Investments"
im ersten Jahr jeweils 1 Million Euro "angelegt" ist, ist der Ertrag am Ende einer beliebig langen Laufzeit ein
anderer. Das fiktive Unternehmen liefert nach 10 Jahren einen Wertzuwachs von 2 Millionen Euro und die
Kapitalanlage einen Wertzuwachs von 0,5 Millionen Euro. Der Wertzuwachs im fiktiven Unternehmen ist nach
10 Jahren vier Mal so groß wie die Kapitalanlage. Diesem Umstand muss auch die Bewertung der 1 Million Euro
im fiktiven Unternehmen Rechnung tragen. So dürfte der Wert des fiktiven Unternehmens im ersten Jahr wohl
kaum bei lediglich 1 Million Euro liegen, sondern deutlich höher. Und das, obwohl der Buchwert im ersten Jahr
bei 1 Million Euro liegt.

2) Gewinn liegt in jedem Geschäftsjahr nach Gründung bei 50.000 Euro (Gewinn = Kapitalanlage):
Hier liegt der "Spezialfall" vor, dass eine Investition in das fiktive Unternehmen und die Kapitalanlage zu 5 %
Zinsen pro Jahr exakt den gleichen Ertrag erbringen.

1 Million € in Unternehmen
1 Million € zu 5 % auf einer Bank angelegt
Gesamtsumme nach 1 Jahr
1,05 Millionen €
1,05 Millionen €
Gesamtsumme nach 2 Jahren
1,10 Millionen €
1,10 Millionen €
Gesamtsumme nach 3 Jahren
1,15 Millionen €
1,15 Millionen €
Gesamtsumme nach 4 Jahren
1,20 Millionen €
1,20 Millionen €
Gesamtsumme nach 5 Jahren
1,25 Millionen €
1,25 Millionen €
Gesamtsumme nach 6 Jahren
1,30 Millionen €
1,30 Millionen €
Gesamtsumme nach 7 Jahren
1,35 Millionen €
1,35 Millionen €
Gesamtsumme nach 8 Jahren
1,40 Millionen €
1,40 Millionen €
Gesamtsumme nach 9 Jahren
1,45 Millionen €
1,45 Millionen €
Gesamtsumme nach 10 Jahren
1,50 Millionen €
1,50 Millionen €

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich zeigt die Tabelle eine Gesamtsumme für beide Alternativen, die zu jedem Zeitpunkt gleich hoch ist.
Hier ist Kapitaleinsatz UND Ertrag nach beliebiger Laufzeit gleich groß und deshalb ist es in diesem
Spezialfall sinnvoll, eine Bewertung des fiktiven Unternehmens zu unterstellen, die sich irgendwo um den
Buchwert herum bewegen könnte. Abgesehen von Überlegungen zum Wert des fiktiven Unternehmens lässt
sich auch noch eine weitere Überlegung anführen:
Wenn der Gewinn einer Investition von 1 Million Euro dauerhaft gleich groß ist wie der Gewinn aus einer
Kapitalanlage von 1 Million Euro zu 5 % Zinsen pro Jahr auf einer Bank (Bedingung: aktuelles Zinsumfeld
ergibt maximal 5 % Zinsen für sichere und langlaufende Anlageformen), dann stellt diese Gewinnmarke
einen Schnittpunkt dar für die Existenzberechtigung einer Firma unter Renditegesichtspunkten bzw. aus
Kapitalgebersicht. Nehmen wir an, beide Anlageformen (fiktives Unternehmen und 1 Million Euro auf einer
Bank) sind gleich viel wert, warum sollte dann der Besitzer des Unternehmens nicht sein Unternehmen
verkaufen und den Erlös (1 Million Euro) bei einer Bank anlegen? Er hätte damit keinerlei unternehmerisches
Risiko mehr und auch keine zusätzliche Arbeit (zum Beispiel Kontrollarbeit im Unternehmen).
Die unternehmerische Tätigkeit sollte (Idealfall von 100 % Eigenkapital unterstellt) immer mehr Ertrag
erwirtschaften (bezogen auf die Anlagesumme/Investitionssumme) als in einer sicheren und langlaufenden
Geldanlageform!!!

3) Gewinn liegt in jedem Geschäftsjahr nach Gründung bei 10.000 Euro (Gewinn < Kapitalanlage):
Hier wird der Fall vorgestellt, in dem der Gewinn aus 1 Million Euro in dem fiktiven Unternehmen dauerhaft
deutlich unrentabler ist, wie im direkten Vergleich zu der Kapitalanlage auf einer Bank zu 5 % Zinsen pro Jahr.

1 Million € in Unternehmen
1 Million € zu 5 % auf einer Bank angelegt
Gesamtsumme nach 1 Jahr
1,01 Millionen €
1,05 Millionen €
Gesamtsumme nach 2 Jahren
1,02 Millionen €
1,10 Millionen €
Gesamtsumme nach 3 Jahren
1,03 Millionen €
1,15 Millionen €
Gesamtsumme nach 4 Jahren
1,04 Millionen €
1,20 Millionen €
Gesamtsumme nach 5 Jahren
1,05 Millionen €
1,25 Millionen €
Gesamtsumme nach 6 Jahren
1,06 Millionen €
1,30 Millionen €
Gesamtsumme nach 7 Jahren
1,07 Millionen €
1,35 Millionen €
Gesamtsumme nach 8 Jahren
1,08 Millionen €
1,40 Millionen €
Gesamtsumme nach 9 Jahren
1,09 Millionen €
1,45 Millionen €
Gesamtsumme nach 10 Jahren
1,10 Millionen €
1,50 Millionen €

 

 

 

 

 

 

 

Die Tabelle oben zeigt deutlich, dass während und am Ende einer Laufzeit von 10 Jahren der potentielle
Investor in das fiktive Unternehmen zu jedem Zeitpunkt weniger Ertrag generiert als in einer Kapitalanlage zu
5 % Zinsen pro Jahr auf einer Bank. Natürlich ist auch die Gesamtsumme nach 10 Jahren mit 1,1 Millionen
Euro deutlich geringer als mit 1,5 Millionen Euro (Kapitalanalge zu 5 % Zinsen pro Jahr). Da die Investitionssumme
(1 Million Euro) zwar gleich ist, jedoch die Rendite, die aus dem fiktiven Unternehmen zu ziehen ist, deutlich
niedriger wie bei der Kapitalanlage zu 5 % Zinsen auf einer Bank, erscheint der Gedankengang vernünftig,
dass dieser Nachteil dadurch ausgeglichen werden kann, dass das fiktive Unternehmen deutlich unter
Buchwert gekauft werden kann. Allein unter Renditegesichtspunkten und unter Ausblendung von anderen
Faktoren könnten vielleicht 200.000 Euro (1/5 tel der Rendite = 1/5 tel der Eigenkapitalsumme!!!???)
als fiktiver Kaufpreis für das Unternehmen gerechtfertigt sein!!!??? Auf jeden Fall sollte es weniger als 1 Million
Euro sein! Jetzt gäbe es theoretisch noch eine andere Möglichkeit, den günstig erscheinenden Kaufpreis
unter Buchwert zu nutzen, als die reine dauerhafte Anlage der Gelder in der Firma.
Eine Firma, die nicht die so genannten Kapitalkosten erwirtschaftet, also eine zu geringe Rendite im angestammten
Geschäft abwirft, kann der Eigentümer auch schnell still legen. Gelingt es, nur 200.000 Euro für Vermögenswerte
von 1 Million zu zahlen und die Vermögenswerte auch nur zur Hälfte realisieren zu können, würde sich das
Geschäft des Kaufs des fiktiven Unternehmens und der Liquidation des Geschäfts inklusive Arbeitsplatzvernichtung
aus finanzieller Sicht lohnen. Die unmoralisch erscheinende Freisetzung von Arbeitskräften sei hier nicht weiter
als Thema konkretisiert, weil es auf dieser Homepage allein um betriebswirtschaftliche Zusammenhänge geht.

4) In jedem Geschäftsjahr nach Gründung wird ein Verlust erwirtschaftet:
Dies ist ein Spezialfall der bereits in Punkt 3) vorgestellten Situation, nur dass in diesem Fall auch noch real Geld
durch den Geschäftsbetrieb des fiktiven Unternehmens verloren geht. Im Gegensatz zum relativen "Verlust" in
Punkt 3), der sich aus dem Vergleich zu anderen Kapitalanlagen ergibt.

Anmerkung

Der Buchwert in der vorgenannten Form ist eigentlich eine Näherungslösung. Der potentielle Anleger bzw. der
Leser der Unternehmensbilanz geht davon aus, dass das ausgewiesene Eigenkapital "richtig" ist. Dieser
Wert für das Eigenkapital kann aber nur dann richtig sein, wenn (unter anderem) auch die Vermögenswerte
auf der Aktivseite stimmen. Also dann, wenn buchhalterischer Wert von "Vermögen" mit dem Marktwert
übereinstimmt. Als Beispiel hierzu kann willkürlich die Position Grundstücke von der Aktivseite der Bilanz gewählt
werden. Bei einem Grundstück, dass vor 20 Jahren erworben wurde, kann die Frage gestellt werden, ob der
buchhalterische Wert mit dem Marktwert des Grundstücks übereinstimmt. Ist dies nicht der Fall, so gibt es
eine Differenz zwischen buchhalterischem Wert des Grundstücks und Marktwert. Ist das Grundstück heute
mehr wert als vor 20 Jahren, so spricht der Analyst von "stillen Reserven". Umgekehrt kann der Marktwert des
Grundstücks heute aber niedriger sein wie vor 20 Jahren. In diesem Fall muss irgendwann eine Summe X
abgeschrieben werden und die Bilanz korrigiert werden. Dies Korrekturen hätten dann auch Auswirkungen
auf das ausgewiesene Eigenkapital zur Folge. Ein Analyst, der versucht, für einzelne Vermögensgegenstände
der Aktivseite einer Unternehmensbilanz die realen Werte sichtbar werden zu lassen, spricht dann auch nicht
mehr vom Buchwert des Unternehmens, sondern vom Substanzwert.

Bedeutung des Buchwerts

Historisch galt der Buchwert lange Zeit als Orientierungsgröße für den Unternehmenswert. Anfang des
letzten Jahrhunderts noch galt die Ermittlung eines Unternehmenswert eher als Kunst denn als Wissenschaft.
Anleger und Finanzprofis vertrauten eher auf ihr Bauchgefühl als auf nachvollziehbare Berechnungen. Eingebettet
in diese Zeit hatte der Buchwert (wie oben schon beschrieben) eine wichtige Bedeutung als Orientierungsgröße.
Heute wird der Begriff Buchwert ebenfalls gerne zitiert, jedoch ist seine Bedeutung zur Ermittlung
eines Unternehmenswert von untergeordneter Bedeutung, da inzwischen ganz andere und wie ich finde, weitaus
überlegenere Bewertungsmodelle für Unternehmen zur Verfügung stehen. Trotzdem gibt es auch heute noch eine
sehr wichtige Bedeutung des Buchwerts.
Wird ein Unternehmen durch ein anderes gekauft, so wird der Kaufpreis und der Buchwert des übernommenen
Unternehmens miteinander verglichen. Die Differenz wird dann als positiver Goodwill (Kaufpreis des Unternehmens
liegt über dem Buchwert) oder als negativer Goodwill (Kaufpreis des Unternehmens liegt unter dem
Buchwert) in der Bilanz des übernehmenden Unternehmens verbucht. Der Goodwill wird dabei im Anlagevermögen
des übernehmenden Unternehmens verbucht, entweder direkt als Goodwill oder integriert in die Aktivposition
"immaterielle Vermögensgegenstände".