Im Untermenupunkt Unternehmensbewertungsmodelle (2) wird detailliert beschrieben, wie sich die
Kapitalkosten berechnen lassen, sowohl die WACC (Weighted Average Capital Costs), als auch
die Eigenkapitalkosten und die Fremdkapitalkosten. In diesem Untermenupunkt soll das Augenmerk
verstärkt auf die Wichtigkeit der Erwirtschaftung der Kapitalkosten gelegt werden. Denn wirtschaftliche
Prosperität in Unternehmen setzt voraus, dass Kapitalkosten entweder dauerhaft erwirtschaftet
werden, oder (bei zum Beispiel neuen Technologien oder Venture Capital Gesellschaften) in
absehbarer Zeit dauerhaft erwirtschaftet werden können. Es gibt auch Unternehmen, die ihren
Umsatz durch Zukäufe von anderen Unternehmen ständig vergrößern, dabei aber ihre Kapitalkosten
nicht erwirtschaften. Das bedeutet, dass der Anteilseigner (Aktionär) letztlich für Umsatzzuwächse
und Firmenvergrößerungen langfristig durch sinkende Aktienkurse bezahlt. Um aus Sicht der
Aktionäre langfristig Kapital zu erwirtschaften, ist es notwendig, dass das betreffende Unternehmen
seine Kapitalkosten erwirtschaftet. An nachfolgendem Beispiel soll erläutert werden, warum dies
so wichtig ist (Ein Blick in den Menupunkt Sparen kann zusätzlich helfen, die Wichtigkeit von
der Erwirtschaftung der Kapitalkosten zu verstehen):
Nehmen wir doch einmal an, eine Privatperson mit einem Vermögen von 1 Million Euro würde
ein Unternehmen in Form einer GmbH gründen mit dem einzigen Unternehmenszweck, der auf die
Erzielung von Zinseinnahmen aus Sparformen ausgerichtet ist. Dies wäre zwar in der Regel nicht
besonders sinnvoll, aber doch möglich. Dabei wären für das Zins- und Inflationsumfeld folgende
Annahmen zu treffen:
Annahmen: Sparzinsen: 3 % |
Es lässt sich aus diesem Beispiel leicht erkennen, dass zwar am Ende des Jahres ein "Bruttoverdienst"
von 30.000 Euro [3 % auf 1 Million Euro; Kosten bleiben unberücksichtigt ] vor Steuern erzielt werden,
jedoch erhöht sich
dabei die Kaufkraft (siehe Menupunkt Inflation) des Unternehmens bzw. des im
Unternehmen vorhandenen Vermögens nicht.
Im Gegenteil. Da der "Bruttoverdienst" von 30.000 Euro
noch versteuert (Steuern = 9.000 Euro) werden muss, kann sich die GmbH jedes Jahr weniger Güter
leisten. Ein typischer,
wenngleich auch ein sehr einfacher Fall eines Unternehmens, dass seine Kapitalkosten
nicht
erwirtschaftet. Für den Unternehmer (Gesellschafter dem GmbH) macht es aus wirtschaftlicher Sicht
eigentlich keinen Sinn,
die GmbH Aufrecht zu erhalten. Wäre die Gewinnkonstellation und
Vermögenskonstellation der GmbH so, wie zuvor beschrieben, aber der Geschäftszweck ein anderer,
und würde die GmbH zudem noch Mitarbeiter beschäftigen, so wäre die Aufrechterhaltung des Geschäfts
unter den beschriebenen Bedingungen ein privat finanziertes Arbeitsbeschaffungsmaßnahmenprogramm.
Eine GmbH oder eine AG, die ihre Kapitalkosten nicht dauerhaft erwirtschaften kann, macht aus
Kapitalgebersicht unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit einfach keinen Sinn. Aber was genau ist jetzt mit
Kapitalkosten gemeint?
Wie aus oben angeführtem Beispielunternehmen ersichtlich, ist es aus Kapitalgebersicht sehr wichtig
für den internen Vermögenszuwachs im Unternehmen, dass die Kapitalkosten erwirtschaftet werden.
Doch wie viel Gewinn müsste obige GmbH machen, um ihre Kapitalkosten zu erwirtschaften? Hierzu
nachfolgend ein einfacher und selbst entwickelter Denkansatz, mit dem sich aus meiner subjektiven Sicht
schnell und zumindest ungefähr ermitteln lässt, ob ein Unternehmen seine Kapitalkosten erwirtschaften
kann:
Postulat: Ich vertrete die Ansicht, dass ein erfolgreiches Geschäftsmodell letztlich Gewinne abwerfen |
Das aufgestellte Postulat klingt zunächst plausibel, da viele Firmen mit wenig Eigenkapital operieren.
Zudem werden die Kreditzinsen von den Notenbanken und von der Börse (über langlaufende Anleihen)
aus volkswirtschaftlicher Sicht so "eingestellt", dass die Wirtschaft insgesamt gut mit dem jeweils
aktuellen Zinsniveau leben kann. Ein gutes Geschäftsmodell muss mehr erwirtschaften als die
durchschnittlichen Kreditkosten, denn sonst würde es keinen Sinn machen, Kredite zu vergeben und
Banken hätten keine Möglichkeit, über die Ausgabe von Krediten Geld zu erwirtschaften. Für Unternehmen
würde es keinen Sinn machen, Kredite aufzunehmen, denn die Kreditzinsen könnten nicht erwirtschaftet
werden. Kurz: Die gesamte Volkswirtschaft würde zusammen brechen.
Nun soll dem Anleger ein einfaches Modell an die Hand gegeben werden, mit dem sich schnell und
ungefähr abschätzen lässt, ob ein Unternehmen seine Kapitalkosten erwirtschaftet oder nicht. Die
Bedingung bei diesem Verfahren ist, dass das Unternehmen unter voller landesüblicher Steuerlast
steht, also keine Verlustjahre hinter sich hat mit dementsprechen hohen Verlustvorträgen, die sich
steuermindernd auswirken. Der Einfachheit halber verwende ich die Bilanz und die GUV
(Gewinn- und Verlustrechnung) aus dem Untermenupunkt GUV & Bilanz.
Beispielbilanz aus dem Untermenupunkt GUV & Bilanz:
Aktiva |
Passiva |
||
€ |
€ |
||
AAAI. Anlagevermögen
|
|||
AAAAAA1. Grundstücke |
260.000
|
AAAI. Eigenkapital
|
1.000.000 |
AAAAAA2. Gebäude
|
310.000 |
AAAAAAAA
|
|
AAAAAA3. Fuhrpark
|
50.000 |
AAAII. Fremdkapital
|
|
AAAAAA4. Betriebs- und AAAAAAAAGeschäftsausstattung
|
74.000 |
AAAAAA1. Hypothekenschulden |
250.000 |
AAAII. Umlaufvermögen
|
AAAAAA2. Darlehensschulden |
750.000 |
|
AAAAAA1. Warenvorräte
|
1.170.000 |
AAAAAA3. Verbindlichkeiten aus Lieferungen AAAAAAAAund Leistungen | 49.500 |
AAAAAA2. Forderungen aus Lieferungen AAAAAAAAund Leistungen
|
25.500 |
||
AAAAAA3. Kassenbestand
|
10.000 |
2.049.500 |
|
AAAAAA4. Bankguthaben
|
150.000 |
||
2.049.500 |
Beispiel Gewinn- und Verlustrechnung aus dem Untermenupunkt GUV & Bilanz:
2007 |
Vorjahr |
|
€ |
€ |
|
Umsatzerlöse |
2.200.000 |
2.100.000 |
sonstige betriebliche Erträge |
20.000 |
18.000 |
Gesamtleistung |
2.220.000 |
2.118.000 |
Materialaufwand |
- 1.320.000 |
- 1.300.000 |
Rohergebnis |
900.000 |
818.000 |
Personalaufwand |
- 360.000 |
- 328.000 |
sonstige betriebliche Aufwendungen |
- 350.000 |
- 340.000 |
EBITDA |
190.000 |
150.000 |
Abschreibungen |
- 90.000 |
- 80.000 |
Betriebsergebnis (EBIT) |
100.000 |
70.000 |
Finanzaufwand |
- 15.000 |
- 14.000 |
Finanzertrag |
1.500 |
1.400 |
Finanzergebnis (netto) |
-13.500 |
- 13.600 |
Ergebnis vor Steuern (EBT) |
86.500 |
56.400 |
Steuern vom Einkommen/Ertrag |
30.000 |
19,400 |
Jahresüberschuss |
56.500 |
37.000 |
Nun können wir anhand der Beispielbilanz und der Beispiel Gewinn- und Verlustrechnung damit
beginnen, uns Gedanken zu machen, ob das Beispielunternehmen seine Kapitalkosten
erwirtschaftet oder nicht. Aus der Passivseite der Bilanz lesen wir beim Eigenkapital 1,0 Millionen Euro
heraus. In einem fiktiven Vorgang wird dieses Eigenkapital jetzt in Fremdkapital verwandelt, für
dass das Unternehmen natürlich Kreditzinsen zahlen muss.
Setzen wir doch einfach einen durchschnittlichen Kreditzins von 5 % an, für Kredite mit einer
Laufzeit von 10 Jahren (natürlich muss sich der Anleger immer Gedanken über die aktuellen,
realen Kreditbedingungen machen - hier wird einfach ein fiktiver Kreditzins von 5 % angenommen).
Auf 1 Million Euro sind also 5 % Kreditzinsn pro Jahr zu bezahlen. Dies entspricht einer Summe von
50.000 Euro. Diese 50.000 Euro werden erneut in die Beispiel Gewinn- und Verlustrechnung
siehe oben) eingetragen und die veränderten Zahlen mit einer anderen Farbgebung kenntlich
gemacht:
Beispiel Gewinn- und Verlustrechnung aus dem Untermenupunkt GUV & Bilanz bei fiktivem Ersatz
des Eigenkapitals von 1 Million Euro:
2007 |
Vorjahr |
|
€ |
€ |
|
Umsatzerlöse |
2.200.000 |
2.100.000 |
sonstige betriebliche Erträge |
20.000 |
18.000 |
Gesamtleistung |
2.220.000 |
2.118.000 |
Materialaufwand |
- 1.320.000 |
- 1.300.000 |
Rohergebnis |
900.000 |
818.000 |
Personalaufwand |
- 360.000 |
- 328.000 |
sonstige betriebliche Aufwendungen |
- 350.000 |
- 340.000 |
EBITDA |
190.000 |
150.000 |
Abschreibungen |
- 90.000 |
- 80.000 |
Betriebsergebnis (EBIT) |
100.000 |
70.000 |
Finanzaufwand |
- 65.000 |
- 64.000 |
Finanzertrag |
1.500 |
1.400 |
Finanzergebnis (netto) |
-63.500 |
-62.600 |
Ergebnis vor Steuern (EBT) |
36.500 |
7.400 |
Steuern vom Einkommen/Ertrag |
12.593 |
2.553 |
Jahresüberschuss |
23.907 |
4.847 |
Die uns interessierende Frage, ob das Beispielunternehmen unter den gesetzten Bedingungen
seine Kapitalkosten erwirtschaften kann oder nicht, ist nach meinem groben Ansatz positiv
zu beantworten. Im Geschäftsjahr 2007 werden die Kapitalkosten noch recht deutlich geschlagen.
Hingegen würden nur leichte Veränderungen bei den Parametern (zum Beispiel Kreditzins von
8 % anstatt 5 %) das Ergebnis des Jahres 2006 negativ werden lassen.
Es gilt noch etwas zu bedenken. Die Kreditzinsen und der durchschnittliche Kreditzins, den ein
Unternehmen zu zahlen hat, setzt sich aus unterschiedlichen Krediten mit unterschiedlichen
Kreditzinsen und unterschiedlichen Kreditlaufzeiten zusammen. Viele Kredite in einer
Bilanz wurden in der Regel in der Vergangenheit abgeschlossen. Und die Kreditbedingungen
der Vergangenheit sind nicht notwendigerweise auch die Kreditbedingungen der Gegenwart.
Diesen Umstand sollte der Anleger noch im Hinterkopf haben. So kann eine anstehende
Umschuldung der laufenden Kredite von hohen Kreditzinsen der Vergangenheit hin zu
niedrigen Kreditzinsen der Gegenwart auch das Ergebnis insgesamt verbessern. Die
Kreditbedingungen eines Unternehmens sind in der Regel im Anhang dargestellt.