Das Return on Investment (ROI) ist eine andere Renditekennziffer. Anders als bei der Eigenkapitalrendite
wird hier der Jahresüberschuss (inklusive eventueller Gewinne aus Minderheitenanteilen) durch die
gemittelte Bilanzsumme (gemitteltes Gesamtkapital) dividiert, und nicht nur durch das Eigenkapital.
ROI = (Jahresüberschuss / gemitteltes Gesamtkapital) * 100 |
| Anmerkung: Anstelle des gemittelten Gesamtkapitals wir oft ein komplizierterer Ausdruck (betriebsnotwendiges Vermögen) verwendet. Dieses ergibt sich näherungsweise aus: (immateriellem Anlagevermögen + Sachanlagevermögen + Vorräte + Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) - Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen |
Nachfolgend soll eine Beispielrechnung zur Gewinnkennziffer des ROI mit einer fiktiven Bilanz und einer
fiktiven GUV durchgeführt werden. Es soll nur eine Beispielrechnung zur Formel für das ROI durchgeführt
werden, die sich aus der gelb unterlegten Formel (siehe oben) ergibt. Folgende Bilanzdaten (hier nur Passivseite
dargestellt) und folgende
GUV-Daten liefern die Grundlage zur Berechnung des ROI:
Passivseite einer fiktiven Bilanz:
Passiva |
2007 |
Vorjahr |
€ |
€ |
|
AAAI. Eigenkapital
|
950.000 |
1.000.000 |
AAAAAAAA
|
||
AAAII. Fremdkapital
|
||
AAAAAA1. Hypothekenschulden |
250.000 |
250.000 |
AAAAAA2. Darlehensschulden |
750.000 |
750.000 |
| AAAAAA3. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | 50.000 |
50.000 |
2.000.000 |
2.050.000 |
fiktive GUV (Gewinn- und Verlustrechnung):
2007 |
Vorjahr |
|
€ |
€ |
|
Umsatzerlöse |
2.200.000 |
2.100.000 |
sonstige betriebliche Erträge |
20.000 |
18.000 |
Gesamtleistung |
2.220.000 |
2.118.000 |
Materialaufwand |
- 1.320.000 |
- 1.300.000 |
Rohergebnis |
900.000 |
818.000 |
Personalaufwand |
- 360.000 |
- 328.000 |
sonstige betriebliche Aufwendungen |
- 350.000 |
- 340.000 |
EBITDA |
190.000 |
150.000 |
Abschreibungen |
- 90.000 |
- 80.000 |
Betriebsergebnis (EBIT) |
100.000 |
70.000 |
Finanzaufwand |
- 15.000 |
- 14.000 |
Finanzertrag |
1.500 |
1.400 |
Finanzergebnis (netto) |
-13.500 |
- 13.600 |
Ergebnis vor Steuern (EBT) |
86.500 |
56.400 |
Steuern vom Einkommen/Ertrag |
30.000 |
19,400 |
Jahresüberschuss |
56.500 |
37.000 |
Berechnung des ROI:
1. Schritt: Ermittlung des gemittelten Gesamtkapital
Die Bilanzsumme zum Stichtag des Jahres 2007 liegt bei 2.000.000 Euro. Die Bilanzsumme des
Vorjahres liegt bei 2.050.000 Euro. Das gemittelt Gesamtkapital liegt somit bei:
(2.050.000 Euro + 2.000.000 Euro) / 2 = 2.025.000 Euro
2. Schritt: Jahresüberschuss auslesen
Laut fiktiver GUV liegt der Jahresüberschuss in 2007 bei 56.500 Euro.
3. Schritt: Einsetzen in (gelb unterlegte) Formel des ROI (siehe oben)
ROI = (56.500 / 2.025.000) * 100 = 2,79 %
| weitere Anmerkung: Auch hier beim Return on Investment (ROI) wird eine (oder mehrere) Gewinnkennziffern mit einer Bilanzkennziffer ins Verhältnis gesetzt. Es gibt theoretisch sehr viele Möglichkeiten, eine Gewinnkennziffer mit einer Bilanzkennziffer zu kombinieren. Genau wie auch bei der Eigekapitalrendite ist es wichtig zu erkennen, ob ein Unternehmen mit hohen Margen arbeitet und seine Kapitalkosten erwirtschaftet oder nicht. Dies lässt sich oftmals auf den ersten Blick erkennen und eine oder wenige Renditekennziffern reichen zur Beurteilung von Margenstärke (oder Margenschwäche) aus. |
Die gelb unterlegte Formel für das ROI beziehungsweise die dahinter stehende Idee hat etwas höchst
interessantes. Dabei soll es jetzt völlig egal sein, ob das ROI tatsächlich exakt so definiert wird, wie in
der gelb unterlegten Formel (siehe oben) angenommen. Der Anleger nimmt sich die Kennzahl des
Jahresüberschuss heraus und setzt diese ins Verhältnis zum Gesamtkapital, über das eine Firma
verfügen kann (Bilanzsumme). Dieser Ansatz könnte auch ein wenig anders beschrieben werden, wenn
der Jahresüberschuss um Sondereffekte bereinigt würde und das Unternehmen unter voller Steuerlast
agiert. Dann nämlich wird der Betrag, der letztlich nach Steuern im Unternehmen verbleibt (oder gegebenenfalls
an die Kapitaleigner ganz oder teilweise ausgeschüttet wird) ins Verhältnis gesetzt zu dem Vermögen,
dass zur Erzielung
dieses Ergebnisses notwendig ist.
Auch bei dieser Kennzahl gibt es wie bei der Eigenkapitalrendite die Schwäche, dass die Finanzstruktur,
genauer geschrieben das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital, ergebnisverändernd wirkt. Das liegt
daran, dass für Fremdkapital Zinsen gezahlt werden müssen und für Eigenkapital nicht. Ein höherer Anteil
von Fremdkapital gegenüber einer Vergleichsbilanz hätte zwar ein gleiches Betriebsergebnis (EBIT) zur Folge,
nicht aber einen gleichen Jahresüberschuss, da die zusätzlichen zu zahlenden Kreditzinsen vom EBIT
abgezogen werden müssen.
Ich habe in der Vergangenheit ein Modell geschaffen, dass diesen Nachteil der Nichtberücksichtigung der
Kapitalstruktur kompensieren kann, möchte dieses Modell an dieser Stelle aber nicht kommunizieren, da es
meine eigene "Erfindung" ist, die zudem in bestimmten Bereichen der Unternehmensbewertung sehr gute
Ergebnisse liefern kann, besonders dort, wo Gewinne relativ stabil sind und Unternehmen margenstark
sind.
Dem Leser möchte ich jedoch mitteilen, dass sich aus deutlich fortgeführten Überlegungen der vorgenannten
Grundüberlegung einiges erreichen lässt.
Anzumerken bleibt jedoch, dass ein Unternehmensbewertungsmodell nicht der alleinige Weg zum Börsenerfolg
sein kann, egal wie gut es ist. Wie auch dieser Tage (Oktober 2008) wieder zu sehen ist, können zukünftige,
geschätzte Unternehmensgewinne drastisch nach unten korrigiert werden (oder gegebenenfalls auch deutlichst
nach oben).